Ein Trend mit Tradition

In den letzten Jahrzehnten haben sich Hobbygärtner keine Gedanken über ihr Saatgut machen müssen. Ansprechende Kataloge entsprechender Firmen und das Angebot in Gärtnereien oder Gartencentern machten es möglich, dass sich jeder seine speziellen Sämereien für Gemüse, Kräuter und Blumen auswählen konnte.

Anders war es in der Zeit weit davor. Hier war man darauf angewiesen, selber für die Nachzucht der Pflanzen zu sorgen und Samen im Garten zu ernten für die neue Aussaat oder sich über den Gartenzaun hinweg mit Sämereien auszutauschen. Dadurch entwickelten sich eine Fülle von lokalen Sorten und Typen, die an die speziellen Böden und klimatischen Bedingungen gut angepasst waren.

In den letzten dreißig Jahren hat sich dies grundlegend verändert. Viele der kleineren Züchter haben aufgehört. Große Konzerne und deren Partner mit modernsten biotechnologischen Methoden haben sich der Züchtung angenommen. Damit einher geht die Gefahr, dass alte Kultursorten für immer verschwinden. Züchtungsziele sind heute vielfach ertragreiche Hochzuchtsorten. Derzeit ist eine Gegenbewegung im Entstehen. Besorgte Bauern und Gärtner sehen die wachsende Abhängigkeit von den großen Konzernen mit der Gefahr, dass die grüne Gentechnik immer mehr Einzug hält und gehen neue Wege. Saatgut ist letzten Endes ein wertvolles Kulturgut und sollte nicht in den Händen von wenigen Großkonzernen landen. Eigene Sorten für den biologischen Anbau, aber auch der Erhalt alter Kultursorten stehen im Zentrum dieser Gegenbewegung. Einen Beitrag zum Erhalt wertvoller Sorten könnten auch Hobbygärtner in ihrem Garten leisten.

Das HAUS AM HABSBERG hat es sich deshalb auch zur Aufgabe gemacht einen kleinen Beitrag zu leisten. Im Frühjahr fand ein Vortrag der Buchautorin und Hobbygärtnerin Cora Leroy statt, der den Teilnehmern die Grundlage für das eigene Nachziehen von Samen im Garten nahe brachte. Im Bauerngarten findet nun am Samstag, 30. Juli von 14.00 bis 16.00 Uhr eine praktische Anleitung durch die Autorin und Kreisfachberater Franz Kraus statt. Dabei erfahren die Teilnehmer mit welchen Pflanzenarten sie selber erfolgreich Samennachbau betreiben können. Wie geht man vor, um keimfähiges Saatgut zu bekommen? Im Bauerngarten dürfen nun bereits einige Gemüsearten blühen, um von Insekten oder vom Wind bestäubt zu werden. Ein völlig neues Erlebnis eröffnet sich dem Gärtner, wenn er den Kreislauf einer Pflanze vom Samenkorn zum Samenkorn verfolgen kann.

Anmeldungen sind noch möglich an die Geschäftsstelle des Umweltbildungszentrums HAUS AM HABSBERG im Landratsamt unter Telefon 09181 / 470 311.

14.07.2016 | 07:45

zurück